Was im Wald gerade passiert
Nach Wochen ohne ergiebigen Regen ist rund um Langenlonsheim schlicht kein Wasser mehr zu finden. Die kleinen Wasserstellen im Wald sind trocken, restlos. Wer dort regelmäßig unterwegs ist, sieht ungewöhnlich viele Rehe unmittelbar an den Wegen, auffällig zutraulich und sichtbar geschwächt.
Das ist keine wissenschaftliche Erhebung. Es sind Beobachtungen von Menschen, die diesen Wald kennen, und sie wurden innerhalb weniger Tage mehrfach unabhängig voneinander gemacht. Für die kommenden Tage sind erneut sehr hohe Temperaturen angekündigt.
Erst fragen, dann handeln
Der erste Impuls ist verständlich: Wasser holen und in den Wald bringen. Wir wollten aber wissen, ob das den Tieren tatsächlich hilft, statt uns nur besser fühlen zu lassen.
Deshalb hat das Klimaforum Natur Langenlonsheim die zuständige Revierleiterin des Forstreviers Wallhausen (Forstamt Soonwald) und den Landesjagdverband Rheinland-Pfalz angeschrieben, mit zwei Fragen: Ist es sinnvoll, ausgetrocknete Wasserstellen aufzufüllen? Und gibt es für künftige extreme Trockenphasen einen abgestimmten Notfallplan?
Die Antwort hat unseren Blick verschoben
Die Rückmeldung aus dem Forstamt war klar und unbequem. Gegen eine Aktion mit Jägerschaft oder Feuerwehr sei grundsätzlich nichts einzuwenden, das Engagement ausdrücklich willkommen. Wirklich helfen würde aber nur ergiebiger Landregen.
Die fachliche Begründung: Rehwild und Schwarzwild wandern im Sommer meist an den Guldenbach oder an die Nahe, Vögel können das nächste Wasser anfliegen, Kleinsäuger decken ihren Bedarf recht gut über Tau und Nahrung. Kleine Wasserlöcher aufzufüllen bringe wenig, weil das Wasser schnell versickert oder verdunstet und die Wirkung räumlich und zeitlich sehr begrenzt bleibt.
Diese Einschätzung veröffentlichen wir bewusst, auch wenn sie unserem ersten Impuls widerspricht. Denn sie verschiebt die Frage an die richtige Stelle. Es geht nicht darum, Wasser in den Wald zu fahren. Es geht darum, dass dieser Wald das Wasser nicht mehr halten kann.
Was trotzdem sofort passiert
Kurzfristige Hilfe bleibt richtig, sie ersetzt nur nichts. Und sie läuft bereits.
Am Wochenende sind aus unseren Reihen 1.000 Liter Wasser in ein Baggerloch im Wald gelaufen. Anfang dieser Woche fährt der Bauhof Wasser in den Teich gegenüber dem Waldkindergarten, nachdem die Gemeinde das zugesagt hat. Und im Rothenberg gibt es seit dem LEADER-Umweltprojekt drei kleine Wasserstellen, die regelmäßig neu aufgefüllt werden.
Ein Tropfen auf den heißen Stein, natürlich. Ein gefüllter Teich ersetzt keinen Landregen. Für uns ist das aber kein Grund, es zu lassen. Nicht ausreichend ist nicht dasselbe wie wirkungslos.
Wer erst handelt, wenn eine einzelne Maßnahme das ganze Problem löst, handelt bei Trockenheit und Klimaanpassung nie. Diese Themen bestehen aus vielen Schritten, von denen jeder für sich zu klein aussieht. Wasser in einen Teich zu fahren ist so ein Schritt: schnell gemacht, günstig, ohne Risiko für den Wald. Und für die Tiere, die dieses Wasser in dieser Woche finden, macht er einen Unterschied.
Das ist die Haltung, mit der wir an das Thema herangehen: das Machbare sofort tun und die Ursache trotzdem nicht aus dem Blick verlieren.

Der eigentliche Hebel: Wasser in der Landschaft halten
Ausgetrocknete Tümpel sind ein Symptom. Die Ursache ist ein Landschaftswasserhaushalt, der in trockenen Sommern kein Puffer mehr ist. Das trifft nicht nur Wildtiere, sondern auch Amphibien und Insekten, den Waldumbau, das Grundwasser und die Landwirtschaft rund um den Ort.
Und genau da gibt es in Langenlonsheim etwas zu holen. Entenpfuhl, Froschteich und ehemalige Kuhtränken sind Wasserstellen, die es hier schon gab. Sie wiederherzustellen ist kein Naturschutz-Luxus, sondern Vorsorge, die sich beim nächsten Extremsommer auszahlt.
Es geht nicht nur um durstige Rehe
Ein trockener Tümpel im Langenlonsheimer Wald ist keine Randnotiz. Er ist die Klimakrise in einer Größe, die man zu Fuß erreichen kann. Anpassung an Trockenheit entscheidet sich nicht auf Klimakonferenzen, sondern daran, ob eine alte Wasserstelle hier bei uns wieder Wasser hält oder endgültig verschwindet.
Das Reh am Wegrand wartet nicht auf diese Antwort. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt.