Ein wichtiges Zeichen gegen die Verharmlosung der NS-Zeit: Auf unseren gemeinsamen Antrag mit der SPD hat der Ortsgemeinderat Langenlonsheim am 25. Juni 2026 beschlossen, das Ehrenschild für den früheren Gemeindevorsteher und Nationalsozialisten Ernst Ludwig Pies an der Ernst-Ludwig-Straße zu entfernen. Über dieses Ergebnis freuen wir uns. Für uns ist es aber erst der Anfang.
Warum wir den Antrag gestellt haben
Den Antrag haben wir gemeinsam mit der SPD-Fraktion eingebracht. Er stützt sich auf gründliche Recherche: Wir haben die Rolle von Ernst Ludwig Pies in der NS-Zeit anhand von Quellen im Landeshauptarchiv Koblenz und der bei SPIEGEL veröffentlichten Datenbank früher NSDAP-Mitglieder belegt. Für die Grünen hat unser Fraktionssprecher Karl-Wilhelm Höffler diese Belege im Rat vorgetragen. Seinen Redebeitrag dokumentieren wir im Wortlaut:
Wir, Mehmet Bekdemir und ich, haben uns die Begründung für den gemeinsamen Antrag aufgeteilt.
In Langenlonsheim gibt es zwei Straßen, die an ehemalige Ortsbürgermeister erinnern, die Schmittstraße und die Ernst-Ludwig-Straße. Die eine bezieht sich auf den Ortsvorsteher Johann Schmitt, die andere auf den Ortsvorsteher Ernst-Ludwig-Pies. Unter beiden Straßenschildern hat die Ortsgemeinde ein kleines Schild angebracht, das einen ehrenden Bezug zu diesen Personen herstellt.
Der eine von beiden hat das verdient: Johann Schmitt, der sein Vermögen der Ortsgemeinde vermacht hatte, um ein konfessionsübergreifendes Krankenhaus zu errichten. Leider konnte dieser Plan durch die Inflation der 1920er Jahre nicht umgesetzt werden.
Der andere hat diese Ehrung nicht verdient: Ernst Ludwig Pies, Bürgermeister von 1924 bis 1942. Er trat am 1. Dezember 1930 in die NSDAP ein und war damit einer der ersten 6 NSDAP-Mitglieder mit Bezug zu Langenlonsheim. Das sagt die bei SPIEGEL-online veröffentlichte Datenbank. Er war also einer der Gründer der NSDAP-Ortsgruppe in Langenlonsheim und durch sein Amt in der Lage, für seine Partei zu werben. Im Landeshauptarchiv Koblenz gibt es Unterlagen, die ihn als den „Trommler von Mittelrhein" bezeichnen. Ab 1932 gehörte er über vier (damals kurze) Wahlperioden dem Reichstag an. Er gehörte damit zu den Personen, die dazu beitrugen, die Weimarer Republik zu Grunde zu richten und die Demokratie in Deutschland zu beseitigen. Er hat es nicht verdient, dass er durch ein ergänzendes Schild zum Straßennamen im öffentlichen Raum geehrt wird.
Deshalb treten wir mit diesem Antrag dafür ein, das ehrende Schild zu entfernen. Die Grünen haben in der Vergangenheit klar Position bezogen: Diese Straße sollte umbenannt werden. Aber als ersten Schritt sollte das ehrende Andenken von dem Straßenschild entfernt werden.
Als in den vermutlich 1950er Jahren die Straße ihren Namen bekam, war schon damals mit ziemlicher Sicherheit ein Schamgefühl mit im Raum, als der Gemeinderat abstimmte. Denn es hat ja seinen Grund, dass bei diesem Straßennamen der Nachname weggelassen wurde. Ein völlig unübliches Verfahren bei Straßenbenennungen. Es war allen damals schon klar, für was Ernst-Ludwig Pies stand. Ich würde mir wünschen, dass etwas von diesem Schamgefühl hinsichtlich der Benennung einer Straße nach einem Ortsbürgermeister, der Mitglied und Förderer der NSDAP war, auch heute noch im Rat vorhanden ist.
Vielen Dank!
Die Entscheidung im Rat
Der Antrag war umstritten. Auch die SPD stand klar dahinter: Ihr Fraktionsvorsitzender Mehmet Bekdemir erinnerte daran, dass Pies mitgestimmt habe, „Menschen zu verfolgen". Aus der CDU kam Widerspruch, und einzelne Stimmen gaben zu bedenken, dass Pies' Amt als Gemeindevorsteher ein Teil der Langenlonsheimer Geschichte sei. Am Ende stimmte der Rat mit 7 Ja-Stimmen, 4 Nein-Stimmen und 1 Enthaltung für die Entfernung des Schildes. Wir sind froh, dass eine Mehrheit diesen Schritt mitgetragen hat, und danken allen, die dafür gestimmt haben. Über die Sitzung berichtete auch der Öffentliche Anzeiger unter dem Titel „Pies-Schild in Langenlonsheim soll weg" (Bericht: Dieter Ackermann).
Für uns bleibt es der erste Schritt
So sehr wir uns über die Entfernung des Schildes freuen: Damit ist es für uns nicht getan. Ein Straßenname ist eine Ehrung. Diese Ehrung hat sich ein Mann, der die NSDAP-Ortsgruppe mitbegründet und als Reichstagsabgeordneter am Ende der deutschen Demokratie mitgewirkt hat, nicht verdient. Deshalb treten wir weiter dafür ein, die Ernst-Ludwig-Straße umzubenennen.
Dass wir mit dieser Haltung nicht allein sind, zeigt eine Zuschrift an den Öffentlichen Anzeiger. Leser Roland Bonaventura schreibt:
Ein Schandfleck wird beseitigt!
Endlich scheint der Gemeinderat die früheren falschen Entscheidungen seiner Vorgänger/innen zu korrigieren. Nicht nachvollziehbar war für mich schon immer, warum man der Straße nur den Vornamen (Ernst-Ludwig) gegeben und den Nachnamen Pies weggelassen hat.
Die Entfernung des Zusatzschildes, welches nur dessen Amtszeit enthält, darf nur die erste Maßnahme sein. Meines Erachtens muss in letzter Konsequenz die Straße gänzlich umbenannt werden.
Straßennamen für Personen sind Ehrbezeichnungen. Diese hat sich der nachweislich stramme Nationalsozialist Pies nicht verdient. Hat er doch unter anderem im März 1933 im Reichstag auch mit seiner Stimme dem Ermächtigungsgesetz zugestimmt und somit die Demokratie abgeschafft.
Die Äußerungen aus dem Gemeinderat, dass Pies tatsächlich Gemeindevorsteher war, würde konsequent weitergedacht bedeuten, dass man alle Orte, welche nach Adolf Hitler benannt wurden, auch nicht umbenennen müsste, da er ja auch Reichskanzler war……..
Diese Stimme aus der Bürgerschaft bestärkt uns. Das Ehrenschild fällt, und das ist ein guter Tag für die Erinnerungskultur in Langenlonsheim. Wir bleiben dran, bis aus diesem ersten Schritt die Umbenennung der Straße geworden ist.